Das Jahr der Netze

Elefanisos hat ja schon was, das letzte Bild vom vorherigen Beitrag ist nicht photoshoped, das ist echt. Einem weiteren Meltemi geschuldet wechseln wir auf die Westseite, nicht weniger schön, aber besser geschützt und lassen uns gute 30 kts um die Ohren wehen. Bei Angela und Jost feiern wir einen weiteren Sieg unserer Mannschaft (doch wieder nach Monemvasia?) und genießen die Tage bis ein Segler mit zerfetztem Groß auftaucht.

So sollte ein Groß nicht aussehen

Eine Crew aus Weißrussland kommt mit ihrer über 50 Fuß großen Yacht um das Kap Maleas und unterschätzte offensichtlich die Fallböen dort. Kaum geankert kommt ein quirliger Australier vorbei und gemeinsam mit Jost bergen wir die traurigen Reste des Segels, die Crew des betroffenen Bootes war immer noch „traumatisiert“. Dieses Kap wird leider oft unterschätzt, da geht man besser mit spitzen Fingern ran.

Zwischenzeitlich verabschieden sich ein oder zwei Wirbel von Eva’s Wirbelsäule aus ihrer Position, das verlangt noch professioneller Hilfe. Kalamata steht an, der nächst erreichbare Fughafen und so segeln wir nach Westen. Vollzeug Genua mit über 8 Knoten kommt der Skipper mit mulmigem Gefühl nach Porto Kagio. Da wollte ich nach der vorherigen Erfahrung nicht mehr hin und am nächsten Morgen wusste ich auch warum. Schwell steht in der Bucht und wir müssen weg. Soweit nichts ungewöhnliches und wir schaffen das auch, aber meine Zuversicht leidet. Bisher konnte mich nichts erschüttern, aber die Probleme mit unserer Ankerwisch (das werde ich bei Gelegenheit erörtern) bringen mich irgendwie von der Rolle.

Raus aus der Mausefalle (auflandiger, nicht unerheblicher Wind) und wir runden das Kap Richtung Norden. Zwei Stops unterwegs, ruhige Buchten und meistens alleine, machen wir im Stadthafen von Kalamata fest. Wäsche waschen, einkaufen und Eva fliegt nach D. Kurzfristig springt mein Freund Walter ein, damit der Bub nicht so einsam ist und so dödele ich ein wenig um die Gegend herum. Zeit erschlagen, da ich bald wieder in Kalamata sein will, eben Walter an Bord zu nehmen. SURI und KATMALU tauchen auf, Winterlieger von Licata, es wird nicht richtig langweilig. Ein Feuer ums Eck macht nervös, die Profis aus Griechenland haben das jedoch schnell im Griff.

Ein Helikopter und zusätzlich zwei Propellermaschinen, professionell gelöscht, ein rechtes Spektakel für uns.

Irgendwann Nachmittags schliert pötzlich mein Anker, das hat er noch nie gemacht und ich verhole nach Nord und ankere dort. Soweit alles gut aber schon wieder dieses Gefühl der mangelnden Zuversicht, das zermürbt. Irgendwie fehlt mir zur Zeit dieses unerschütterliche Vertrauen in meine Fähigkeiten, sonst immer die Ruhe selbst und nun nervös. Ein paar Tage und ein Sieg weiter dödele ich des morgens wieder ein wenig nach Nord, ankere dort, bin nicht zufrieden, Anker auf um kurz danach ein Netz zu fangen, Bingo. Anker wieder runter und tauchen. Die Fischer kommen vorbei, total entspannt und wollen, dass ich das Netz kappe. Kein Ding und einige Zeit später, das Gewusel muss natürlich auch weggeschnitten werden, fällt der Anker an der von mir gewünschten Position. Soweit alles gut aber ich frage mich ernsthaft wo mein normalerweise unerschütterliches Vertrauen in meine Fähigkeiten abgeblieben ist. Klar habe ich das noch alles im Griff, nur wo ist die Zuversicht?

EIRA schwimmt noch, so far so good

Bis die Tage

Frank

Frust und Lust, Sardinien bis Griechenland

Der Frust überkommt mich seit ich in Deutschland bin.
Der Reihe nach.
Die Überfahrt nach Sizilien war der reinste Horror, erst warten auf weniger Wind, tags darauf war er moderat, jedoch in keiner Relation zu der noch anstehenden Welle. Fazit war ein übles Geschaukel mit wenig bis gar kein Wind. Unser Motor, wieder genesen, muss den Job erledigen und schlägt sich tapfer, war jedoch nicht der Plan. Ein Speerfisch, länger als ich, hellt die Miene des Skippers zwar etwas auf, insgesamt verlief es jedoch ziemlich schaukelig und keineswegs für einen Segler befriedigend.

Sieht etwas gequält aus, erster Speerfisch ever


Am Nachmittag des darauffolgenden Tages erreichen wir Favignana und hauen erstmal den Anker in den Sand. Ein Tag Erholung und schließlich durchrücken nach Licata. Wieder über Nacht, bringt halt Meilen und so erreichen wir am Morgen unseren Winterliegeplatz. Großes Hallo natürlich, ein wenig reparieren an EIRA, das übliche. Mit Sampos Auto wird der Einkauf ein Kinderspiel, genug Wunden geleckt und schon zerrt der Feddie an Bube, virtuell!
Davor eine kurze Probefahrt zum Test der Umkehrosmose und prompt fangen wir eine Mülltüte im Hafen. Außerhalb geankert kann ich erst mal meine neue Errungenschaft testen, einen 10 m Schlauch zwischen 1. und 2. Stufe zum Tauchen. Flasche an Bord und der Leidende Inscheniör schnitzelt mühselig die mit der Welle verschweißte Mülltüte wech. WTF oder auf deutsch wattn Scheiß, so unnötig!
Tags darauf segeln wir zu Freddie, kackfrüh am Morgen, fischen noch einen Yellowfin Tuna mit 15 kg unterwegs und ankern erst mal in der Mellieha Bay auf Malta.

Letzter Fisch der Saison 2023

Am Morgen wird der Fisch zerlegt und im Motorraum schneiden ich mir einen guten Ecken Fleisch aus dem rechten Stinkefinger im Versuch einen Schlauch mit links und der Schere zu kürzen. Es war eine leckende Rücklaufleitung der Einspritzdüse des ersten Zylinders und nun leckt der Finger, und frag nicht wie. Der Fetzen Fleisch hält noch und Schwester Eva bringt das Ganze mit einem Klammerpflaster wieder in Form.
Tags darauf verlegen wir in die Saint Pauls Bay, pullen mangels funktionierendem Außenborder an Land, holen Freddie ab und bringen dieses Riesenpaket an Bord. Watt ne action mit der lahmen rechten Hand, aber da will ich durch. Die erste Probefahrt dient der Sondierung der Mülltonnen an Land, die zweite der Entsorgung der Umverpackung, die dritte, vierte und so weiter der Freude des Buben. Wie geil ist das denn. 10 Pferdchen in Zweitaktmanier am Heck von Knuffi und das geht ab wie Sau und dabei darf ich nur maximal Halbgas geben wegen Einfahren und so?

Da strahlt er


Noch ein paar Tage auf Gozo in der Dwerja Bay mit Ausflug in eine Lagune und dann ist langsam Schluß mit lustig für dieses Jahr, die Arbeit ruft.

Durch diese hohle Gasse müssen wir kommen

Der kleine See dahinter

Abendstimmung in der Dwerja bay

Zurück in Liata, nun aber endgültig, steht der Sevice an für den ollen Diesel. Ölwechsel Motor, Einspritzpumpe, Umkehrosmose und Getriebe. Ventilspiel war recht ok, habe nur minimal optimiert, noch zwei neue Keilriemen für die Lima und das wars. Eine Komplettüberholung der Benzinpumpe an little Freddie bringt auch diesen wieder zum Laufen, aber zu spät. Der große Freddie wird abschließend im Hafen eingefahren mit ab und an mal Vollgas (wie geil ist das denn, wurde schon erwähnt), beide gespült mit Frischwasser, Getriebeöl gewechselt und gut ist für 2023.
Zwischendurch kommt Sampo und bittet mich um Begleitung auf einer Mission Richtung Tunesien, Flüchtlinge suchen und unterstützen. Mal abgesehen von einer seekranken Crew, einer Coronainfektion durch ein Crewmitglied on top und einem losen Vorstag war der Törn ok. Um Lampedusa boxt flüchtlingstechnisch der Papst, aber die italienische Küstenwache gibt alles die Leute zu retten, Chapeau.

Südlich Lamedusa

Weils so schön war noch eins

Die Zeit rennt, der Fisch muss weg, ein Teil wird geräuchert und der Rest verschenkt, wir fliegen nach D.

Was für ein Kontrast. Mal unabhängig vom Wetter, das ist echt schlecht ist, wie sind die Leute denn drauf? Frei nach Merkel, ist das noch mein Land?
Die Diskurse werden von Kubitschek und Konsorten gesetzt, die Blaunen blöken das ins Land, die Opposition hechelt konzeptlos hinterher und das „Volk“, dumm wie Bohnenstroh, geht auf die Straße für? Ja wofür denn, zurück ins 20. Jahrhundert? War nicht zuletzt auch mein Verhalten ursächlich für die Zukunft unserer Nachfahren?
Wer in der Welt segelt spürt direkt die Änderung, der eine oder andere am Flußufer in D mittlerweile auch, ist wahrscheinlich aber nur Schlechtwetter, lediglich dumm gelaufen, klar.
Das ist mein Frust.
Ich bin mit Optimismus aufgewachsen, immer nach vorne und wenn ein Problem auftaucht, angehen und lösen. Aber Veränderung ignorieren und mich zurückwünschen in die Geborgenheit meiner Kindheit ist kein Konzept zur Bewältigung der von uns geschaffenen Probleme, andernfalls komme mich mit meinem Schiff nicht weit. Und ja, Veränderung ist nicht für lau, die bereits entstandenen Schäden sind aber auch nicht zu ignorieren und könnten noch teurer werden. Könnten, wer hat da Recht? Wissenschaftler oder „Konservative“, sprich Bewahrer von Wohlstand, vulgo Konsumrausch, oder Mahner anhand der vorliegenden Daten.
Nun denn, Frust hin oder her, ein paar Dinge müssen geregelt werden. Die letzte Lampe über dem Esstisch wird montiert, das Gebiss überholt, der Hautarzt gibt grünes Licht und nach diversen Demonstrationen gegen die aufkommende rechtsnationale Gesinnung sogleich den Rückflug gebucht. 2 Kappensitzungen später, sozusagen als Überraschungsgast, zurück nach Licata. Eva bleibt derweil noch in der Obhut ihrer Ärzte, aber 2 Wochen später ist sie auch wieder da.

Als Geburtstagsüberraschung will ich noch schnell den neuen Gasherd montieren, wuchte ihn auf’s Vordeck und schon während das Auspackens sehe ich eine Riesendelle. Der Lieferant wird informiert, schickt einen neuen auf den Weg und ich entsorge das gute Stück nach Rücksprache im Hafen. Selbstverständlich nicht ohne ihn vorher gründlichst auszuschlachten, klaro.

Da isser

Flammneu montiert

Der Winter plätschert dahin mit Happy Hour, BBQ, basteln und relaxen. Als Sampo mit unserem kleinen Freddy, vielmehr seine Crew liebäugelt, wird dieser kurzerhand der privaten Seenotrettung vermacht, nebst Ersatzteilen und Unmengen guter Ratschläge. Auch wenn er mich oft geärgert hat, irgendwie konnte ich ihn dann doch immer überreden. Nun pendelt er zwischen Licata und Tunesien, im Herbst werde ich ihn wieder sehen.
Zwischenzeitlich wollte Pierre noch neue Lithiums einbauen, das hatte ich ihm bei unserem Wiedersehen auf Sardinien zugesagt, und so verbringe ich locker 2 Wochen auf deren Boot, lerne die Elektroinstallation kennen und baue sie zugleich um.
Die Saison ruft langsam, kurz noch auf die Werft, Boppes von EIRA pinseln, das muss alle 3 Jahre sein.

Wurde schon langsam Zeit

Dieses mal himmelblau

Nach ausgiebiger Proviantierung werden wir unruhig und es geht nach Malta, eben schnell mal 1000 ltr. Diesel bunkern und sogleich zurück auf die Ostseite Siziliens. Beide Überfahrten nach dem Motto muss ich nicht haben, Vergnügen geht anders.
Von Syracusa zum Festland Italiens, genauer zum Fußballen, klemmt erstmal die Ankerwinsch, die Kupplung war zu stramm und so brennt die Sicherung durch.

Die ist hin

Ersatz montiert und kaum aus der Bucht kommt die Angel raus. Leider bleibt eine Schildkröte an unserem Köder hängen. Die Freude über einen vermeintlichen Biss weicht Ensetzen, als wir sehen was passiert ist. Kurzerhand wuchten wir sie auf Deck, der Haken hängt Gott sei Dank in der Haut eines Fußes, befreien sie und ab ins Meer zurück. Sie winkt tatsächlich noch zum Abschied und unser Gewissen ist erleichtert.
Im weiteren Verlauf spinnt plötzlich der Autopilot, Eva im Bett, Skipper auf dem Klo und EIRA fährt eine veritable Patenthalse. Bingo! Aus Angst, dass die Leine im Propeller hängt, springe ich trotz erheblichem Wellengang, gesichert und mit Fender plus Leine achteraus ins Wasser und finde keine Leine, die ist schon gerissen, dafür aber ein dickes Fischernetz um unseren, eben, Propeller. Shit, der Seegang erlaubt definitiv kein Abtauchen, das gibt nur eine dicke Murmel und so segeln wir einfach mal weiter. Gegen Morgen, der Hafen in Sicht, informieren wir die Marina und schleppen uns in den Hafen. Allen Befürchtungen zum Trotz funktionieren vorwärts wie rückwärts (Drehflügelprop) und wir können längsseits anlegen. Uff!
Tauchgeraffel zusammenkramen, der 2. Einsatz des langen Schlauches, das Investment hat sich wirklich gelohnt, schneide ich alles ab. Beim Entern der Badeleiter, verliere ich meinen Bleigurt und Eva sucht auf diversen Schiffen Ersatz. Im dicken Neopren ohne Blei komme ich nicht runter und ohne Anzug ist definitiv zu früh in der Saison. Der Gurt wird getaucht, alles wieder dankbar zurückgegeben und jetzt ist echt mal Feierabend für heute.

Todesmutig in die Hafenbrühe

Das gehört eindeutig nicht um den Propeller

Beim nächsten Wetterfenster geht es direkt nach Griechenland, Kefalonia. Ziemlich genau auf das Datum von 2018, als wir uns dort mit Freunden trafen. Irrer Zufall. Unterwegs endlich der erste Biss des Jahres, 10 kg Makrele, kein Highlight, aber immerhin Fisch.

Immerhin, die Fangsaison ist eröffnet

Der zweite geht kurz vor Griechenland wieder vom Köder und da ich die Schnarre beim Drillen abgeschaltet hatte und die Bremse gelöst war, teste ich gleich mal den Spulenknoten nachdem 1000 m Leine achteraus schwimmen, dumm gelaufen.

Kurz vor dem Ziel entdecke ich noch enormen Gummiabrieb überall im Motorraum, ein Keilriemen schleift sich ab und wird kurzerhand gekappt. Er treibt einen ungenutzten Kühlkompressor an und von dort wiederum die Bilgenpumpe, darf halt jetzt erst mal kein Wasser reinlaufen, müsste sonst alles per Hand pumpen. Glücklicherweise haben wir Ersatz und dieser wird am nächsten Tag eingebaut, eine Reparatur verschiebe ich auf den Winter, ein Lager hat sich verabschiedet und deswegen blieb die Spannrolle nicht mehr da wo sie hingehört.

So sieht das Ding normalerweise aus

Weil eine Mütze Wind angesagt ist verholen wir in Argostoli in die verlassene Marina, kostet nix und ist bei den herrschenden Verhältnissen absolut sicher.

Erstes griechisches Bier

Ein paar Tage später treffen wir die INFINITY in Poros, Ostseite Kefalonia, verbringen gemeinsam ein paar Tage und schaffen uns dann langsam nach Zakynthos, neue Insel und neue Eindrücke.

Morgenausflug zur Schildkröteninsel

Selbige am Abend

So allmählich wird auch das Wasser wärmer, die Luft milder, die Saison entwickelt sich. Kurzer Zwischenaufenthalt auf dem Festland in Katakolon, wo wir gemeinsam mit den INFINITY’s das Angebot erhalten zum Einkauf in die nächstgrößere Stadt gefahren zu werden, unglaublich. Von wegen die Griechen mögen keine Deutschen seit der Finanzkrise.
Erster Stop ist Vodafone, Datenkarte kaufen, nächster Halt im Laden für Ouzo, 120 Jahre alt (der Laden), dann zu Lidl und auf dem Rückweg noch ein Obst- und Gemüsehändler, perfekt.

Fachgespräch unter Ouzo-Profis

Das hat sich gelohnt, zweite von rechts ist unsere gute Fee

Die Datenkarte kostet übrigens 30 € pro Monat, unbegrenztes Volumen und bis hierher 5 G, überall. Könnte sich Deutschland mal eine dicke Schnitte abschneiden, diese digitale Diaspora! Aber wenigstens die Schuldenbremse einhalten, das ist definitiv wichtiger, das lernen wir nie.
Nächster Stop ist Pylos, Wolfgang mit Crew kommt mit der BLACK DREAM direkt aus Malta hierher. Großes Hallo natürlich, ein paar Bier später in der Stadt und die eine oder andere Flasche Wein auf seinem Schiff zur Nacht bringen unseren Informationsstand wieder auf ein ordentliches Level.
Es zieht uns weiter Richtung Süden, wir finden eine Bucht mit lediglich 3 Kühen am Strand, flitzen mit Freddy mal hierhin und dorthin, da sind 2 sm mittlerweile kein Ding mehr und vergrößert unseren Radius enorm, dödeln durch die Gegend über Koroni (Schei..ankergrund wie immer), dafür aber Wochenmarkt am Sonntag und landen tags darauf in Porto Kagio. Da steht bei Navionics tricky ankern, das Band mit moderater Tiefe und Sandgrund ist schmal (kann ich bestätigen) und es gibt Fallböen. Deren Heftigkeit haben wir etwas unterschätzt, da kommen aus dem Nichts plötzlich mal 30 kts über den Berg und das macht nervös. Ist nichts passiert, aber der eine oder andere Segler hat sich da schon schwergetan unter diesen Bedingungen zu ankern oder ist gleich geflüchtet.
Nun sind wir auf Elefanisos, einer kleinen Insel ganz im Süden des Pelepones und wissen nicht so recht wie weiter. Monemvasia wäre der nächste natürliche Stop, da hat sich allerdings 2018 das deutsche Team derart blamiert (Aus in der Vorrunde), da wollte ich erst mal das erste Spiel abwarten, bevor ich dort wieder vorbeikomme. Hat ja geklappt, allerdings nur mit VPN und alle anderen Spiele schaue ich auf SRF, Magenta haben wir nicht, was für ein Mist. EM im eigenen Land und ich schaue die Spiele im Schweizer Fernsehen, sag mal gehts noch?

Ein besonderer Gruß geht an Stefan, der hat sich beschwert und so gibt es ein update.

Bis die Tage

Eva und Frank

Aufnahme vom 18.06.2024, Drohne von Jost

Bonifacio und die Leiden des alten Frank

Das Lotterleben neigt sich seinem Ende zu, die Eignerin kommt zurück an Bord. Passend dazu steht der nächste Mistral wieder vor der Tür und so verhole ich zum letzten Mal an den Stadtkai von Olbia, wo Klaus freundlicherweise Hans-Hugo bittet 2 m zurückzusetzen und ich kann mich in die vergrößerte Lücke kuscheln. Mittlerweile mutiert Olbia schon fast zur zweiten Heimat und so wird die Wartezeit überhaupt nicht langweilig, immer mal ein Plausch mit den Nachbarn, Bierchen und gemeinsames Abendessen inklusive.
Nachdem Eva mit reichlich Verspätung eingetrudelt ist segeln wir nach Arranci zum Einkauf, Wäsche waschen und ankommen, verlegen später kurz in den Süden und brechen bei optimalen Bedingungen auf nach Korsika. Vorbei an den Schönen, den Reichen und den ganz schön Reichen in Porto Cervo einschließlich Regatta der 80 Fuß aufwärts Segelyachten mit gefühlt 20 Mann Besatzung.

Ein Vermögen an der Kreuz

Schlimm sind jedoch die Motoryachten, die mit Minimalabstand völlig ignorant Wellen wie Tsunamis produzieren und unsereiner macht sich Gedanken um Nachhaltigkeit, Müllvermeidung, Ressourcen schonen. Da läuft doch gewaltig was schief auf unserer Murmel.
Nach einem Stopover bei Cannigione für die Nacht, angereichert mit immerhin cooler, nichtsdestotrotz jedoch ziemlich lauter Mucke am Abend, segeln wir anderntags durch das Gewusel zwischen Sardinien und den vorgelagerten Maddalenas über die berüchtigte Straße von Bonifacio zu genau diesem Ort. Wollten wir immer schon und wer weiß wann wir wieder in dieser Gegend sind.

Ja wo isse denn die Einfahrt?

Da isse

Tatsächlich sehr spektakuläre Einfahrt in diesen Naturhafen und da wir vorab gebucht und angezahlt hatten, weist uns der Marinero nach meinem perfekt französischen Funkspruch unseren Platz zu. Wow kann ich nur sagen, die Kulisse hat was.

Windzerzauste Eva

Sinnierender Frank mit Blick auf den Hafen


Direkt mal nach oben gestiefelt, genießen wir den Blick nach Süden und treffen auf dem Abstieg die Crew der ARCTIC QUEEN, sie ankern der Kosten wegen in einer Bucht ums Eck, sie sollten 400€ die Nacht zahlen.

Desiree und Gus, Zufälle gibts

Kurzer Plausch, sie machen die Stadt im Eildurchlauf und wollen möglichst bald zurück an Bord, der Wind nimmt nun kontinuierlich zu und dafür ist diese Ecke (Düseneffekt zwischen den hohen Bergen Sardiniens und Korsikas) bekannt. Wir werden sie im Winterhafen wieder treffen.
Eine besondere Note hat das Hafenkino am Nachmittag. Fast ausschließlich Charterer, die mit dem Wind und der Enge des Manöverraumes, gewürzt mit der Vielzahl an Ausflugsbooten rein und raus, oft kurz vor dem Desaster sind. Zwischendrin die Marineros mit ihren Aludinghies, die sehr bestimmt die Yachten durch die Gegend schieben. Muss so sein, ansonsten werden die Schäden doch arg heftig, wie gesagt herrliches Kino. Da wir 3 Tage bleiben wollen, können wir uns ganz entspannt die Altstadt anschauen, anderntags über die Klippen gen Osten laufen, Urlaub sozusagen.

Im Hintergrund Bonifacio

Sardinien in der Ferne

Der Rückweg in umgekehrter Reihenfolge führt uns nach einer knappen Woche wieder zurück in die Cala Cirgolu, hier treffen wir auf die INFINITY (Jost wird 60), die TUTTO BENE mit Uli und Layla (Labrador) und JULIMAR, mein Angelfreund Andreas und Astrid.

Fröhliche Runde, der zweite von links ist der Jubilar

Zwischenzeitlich verabschiedet sich die Borddurchführung für das aufgesalzene Wasser aus der Umkehrosmose und rinnt fröhlich durch die Backskiste in meinen heißgeliebten Motorraum, unschön. Kunststoffdreck, hielt jetzt 7 Jahre und kein Ersatz an Bord. Mc Guyver findet eine Interimslösung im Fundus und alsbald kann die gesamte Backskiste (was ist da ein Zeug drin) wieder eingeräumt werden, während sich die Windeln um die Entwässerung im Motorraum kümmern.

In der Tiefe des Raumes

So langsam wird es aber Zeit für die Rückfahrt nach Sizilien, die Zicke von Außenborder raubt mir meinen letzten Nerv, insofern möglicherweise mit Umweg über Malta, da liegt der neue Motor angezahlt bereit zur Abholung.
Mercury, 9,9 Pferdchen, 2-Takt, illegal zwar, da die Dinger theoretisch in der EU seit geraumer Zeit nicht mehr an Privatpersonen verkauft werden dürfen, aber Scheiß drauf, der wiegt nur 26 kg und das zählt.
Die Fahrt nach Süden entlang der Ostküste verlief wenig spektakulär, wenn man davon absieht, dass in der Anfangsphase der Motor mitlief wegen wenig Wind, Strommangel und der Wassermacher 5 Stunden lang produzieren musste, da die letzten Tage nur bedeckt waren. Ansich halt, käme da nicht eine Menge weissen Rauches aus dem Auspuff (von wegen habemus papam oder so, auch nicht habemus neuen Außenborder) und der Gummischlauch nebst Schalldämpfer (aus Kunststoff!) ziemlich heiß wurden. Drehzahl vermindern und Zuluft für den Motorraum auf die Sensibelchen geführt, lässt uns aber doch spät und in völliger Dunkelheit wohlbehalten in Santa Maria di Navarese ankommen. Uff!
Neue Baustelle, der äußere Kühlkreislauf bringt zu wenig Wasser und der kläglich Rest, der nach dem Abgaswärmetauscher in den Auspuff eingeleitet wird, verdampt größtenteils. Seewasserfilter, hatte ich unterwegs schon gecheckt, isses nicht. Der Impeller auch nicht, der Ölkühler isses. Fast komplett dicht, kein Wunder also. Mit viel Zitronensäure und jeder Menge Frischwasser wird das Problem gelöst und alles wieder in Butter.

Der Schlingel, zuletzt gereinigt in Cartagena, Anfang ’20

Pustekuchen. Am Tag darauf schwabbelt Wasser im Motorraum, Süßwasser Gott sei Dank, also nicht von der Inspektion des Impellers verursacht. Es ist die Druckwasserpumpe, die leckt wie Bolle. Weiterfahrt also wieder um einen Tag verschieben, Ersatzpumpe rauskruscheln und das System umbauen, da die Anschlüsse natürlich komplett anders sind. So wird aus dem leitenden der leidende Inscheniör an Bord, es ist heiß wie in der Sauna im Hafen und natürlich auch im Schiff.

Der alte Hobel, wahrscheinlich 23 Jahre alt und keine Ersatzteile mehr erhältlich

Die Neue läuft leiser


Echt Zeit fürs Winterlager, die Ersatzteile und die Nerven gehen langsam zu Ende.
Viele deutsche Boote im Hafen, als Nachbar gar der stellvertretende Vorsitzende unseres Segelvereines Trans Ocean, lassen aber die Zeit, in der ich mal nichts reparieren muss, schnell verfliegen.

Tip unserer Nachbarn, Kartoffelpizza in der Strandbar


Der weitere Weg, diesmal segelnd, führt uns nach Villasimius. Im letzten Büchsenlicht ankommend, finden wir in jeder Ecke nur fürchterlich rollende Boote, also kurzerhand in die Marina, dann zwar wieder in der Dunkelheit, aber das wird uns langsam zur Gewohnheit. Ruhig schlafen ist essentiell, erst recht wenn die Überfahrt über Nacht ansteht.

Südostecke Sardiniens

Kleines Castello

Morgen (Mittwoch der 27.09.) sollte der Nordwind nachlassen, zur Zeit sind es noch 6 bft und 1,5 m Welle, das braucht hier an Bord niemand, gute Bedingungen zum Segeln und natürlich auch Fischen. Eva hat bereits für das leibliche Wohl gesorgt, wir werden nicht hungern auf den 160 SM.
Werde berichten,
Frank

Angelausflug

Der muss noch warten. Auf dem Weg in den Süden kreuzt DOLCE VITA meinen Weg oder besser sie überholen mich und so verabreden wir uns spontan in einer Bucht ums Eck. Da Anette immer ganz rührig meinen Anker abtaucht (Eva hat sie wohl gebeten auf mich aufzupassen) reiten wir den kommenden Mistral in der Cala Bandinci ab. Habe ich ja reichlich Erfahrung dort und es passt.

Ruhe vor dem Sturm

Nach einer kurzen Beruhigung, nebenbei kommt die ARCTIC QUEEN vorbei, steigt bei allen etwas Panik auf. Zu erwarten sind ein paar 40 Knoten, also 9 Beaufort und in Böen natürlich darüber. Nicht wirklich das große Vergnügen und wenn bei 30 Knoten schon die Nachbarn fröhlich durchs Ankerfeld pflügen will ich nicht wissen was dann los ist. DOLCE VITA schleicht sich vom Acker und bucht 2 Tage in Arbatax, ziemlich weit im Süden. INFINITY ist schon in der Gegend vor Anker und ich entscheide kurzfristig in Olbia an die Stadtpier zu verholen. ARCTIC QUEEN folgt, überholt mich natürlich auf dem Weg, das ist ein Katamaran mit 56 Füssen, ankert dort und Guus steht mit seinem Dinghy bereit mir zu helfen. Schön, wenn man Freunde hat, die sofort zur Seite stehen. Der erste Versuch klappt, jedoch perspektivisch auflandig und nachdem mir mein späterer Nachbar aus Italien sein Handlot zur Verfügung stellt, verlege ich auf die andere Seite, die im aufkommenden Wind ablandig sein wird. Vorne 1,20 m und unterm Kiel bei Ebbe gute 10 cm Luft, reicht. Die kommenden 4 Tage vergehen im Flug mit einkaufen, quatschen mit Uli von TB, süssem Nichtstun (Dolce Vita ist italienisch!) und irgendwann reicht es mir und ich segele wieder nach Arranci. Dort wartet schon sehnsüchtig Ole auf der SHUTI, der von Eva den Tip bekam, dass da in der Nähe ein Ingenieur rumdümpelt. Kurzes Briefing nebst diversen Ankerbieren und die nächste beiden Tage sind erfüllt mit der Montage und Inbetriebnahme seines neuen Wassermachers.

Funktioniert sogar

Kurz darauf taucht DOLCE VITA wieder auf, deren Ersatzteil ist geliefert und so bringen wir deren Wassermacher auch wieder ins Laufen. Habe da zur Zeit einen echten Flow, irgendwann zahlt sich vielleicht auch mal das Studium aus.


Beim Abendessen auf der JULIMAR wird die Idee geboren mal für zwei Tage angeln zu gehen und ratzfatz umgesetzt. Zweiten Angelrutenhalter von der DOLCE VITA montiert, Anette und Klaus halten die Stellung und unterstützen Astrid sollte irgendetwas sein und so mache ich mich mit Andreas eines Morgens vom Acker gen Osten. Ziel ist die Wassertiefe von 1000 m, nach meiner Erfahrung gut zum Angeln.
Auf dem Weg dorthin schon die ersten Vögel im Wasser, also jagende Raubfische darunter und wenig später springen die Räuber schon aus dem Wasser. Eine leichte Kursänderung in deren Richtung bringt den ersten Biss. Die Rolle spult ab wie Jeck, Andreas kämpft um sein Leben und an der Badeleiter geht der Tuni mit der Gaff und einem gerissenen Stahlvorfach wieder auf Tiefe. Nebenbei bricht auch noch der geliehene Angelrutenhalter ab, kein wirklich guter Anfang und wenn die Verluste in diesem Tempo bleiben, werden wir wohl zurückschwimmen müssen.

Bruch und Dallas


Das bringt uns aber nicht aus der Fassung und flink wird eine neue Gaff improvisiert.

Besser als nix

Gegen Nachmittag dann der nächste Biss und eine gute Stunde später ist der Knecht an Bord. Ich bin fix und fertig, aber 15 kg Thunfisch hat eine Menge Kraft.

Leicht gequältes Lächeln

Gerade als ich den filetierten Fisch vakuumiere für die Kühlbox, kommt der nächste an den Haken und diesmal darf Andreas wieder kämpfen. Mit unseren Stirnlampen, es ist mittlerweile zappenduster, beschließen wir den Tag und segeln gemütlich durch die Nacht. Der nächste Tag ist dem Rückweg geschuldet, kein neuer Biss aber 25 kg Fisch ist ja schon mal ein Wort.

Nummer 2

Andreas beim Filetieren

Spontan wird der Grillabend organisiert und die Besatzung von 3 Schiffen mit Anekdoten dieses legendären Trips überhäuft.

Anderntags besorgt Andreas beim ansässigen Händler den Ersatz unserer Verluste und wir können künftig wieder über Los gehen, bekommen das Startgeld und können die Fischstrasse kaufen.

Die neue Gaff, diesmal mit Sicherungsleine


Als Andenken bastele ich noch einen dieser legendären pinken Kampf-Squids, der Garant für den Erfolg. Andreas hat mich 2 Tage lang am Lachen gehalten, seine Frau Astrid hat uns mit reichlich Essen versorgt und ich habe wieder mal zwei liebe Menschen getroffen.

Der legendäre Kampf-Squid, genannt Pink Panther. Homemade by EIRA



Life could be worse

Bis die Tage,
Frank

Dauermistral und endlich wieder ein ausgewachsener Basteltag

Seit Eva in Deutschland ist, fegt hier mindestens ein Mistral pro Woche durch. A weng nervig und immer wieder die Frage wo verstecken. Irgendwie habe ich zur Zeit nicht das richtige Händchen für die Situation und mache mich immer einen Ticken zu spät vom Acker. Es fehlt wohl Eva’s Gespür für Wind und Welle, teilweise sind aber auch die feuchtfröhlichen Abende mit der DOLCE VITA, INFINITY,TB (bitte kein Vorwurf) und mein Hang bis zum bitteren Ende dabeizusein, Schuld.

Höhenströmung aus Süd bringt echtes Kuriosum mitten im Sommer

Sei es drum ich motore und segele nach Süden ums Eck und erwarte den aufkommenden Wind. Gute Wassertiefe von 5 m und bester Ankergrund lässt mich 3 Tage verharren in Böen bis 35 Knoten und konstanten 20-25.

Letzter friedlicher Abend

Kein echtes Vergnügen aber alles hält, nix fliegt weg, lediglich Plastikspielzeug fegt übers Meer, jedoch keine Chance das Zeug einzusammeln, so schnell kann ich nicht schwimmen und laufe dabei Gefahr nicht mehr an Bord zurückzukommen.

Irgendwann ist die Puste aus und ich segele zurück nach Arranci, Müll entsorgen, Wäsche waschen und einkaufen. Unterwegs läuft wie gewohnt der Wassermacher bis er sich irgendwie gequält anhört. Die Drehzahl des Antriebsmotors der Hochdruckpumpe geht in die Knie und ich lasse ihn erst mal ausruhen. Ein erneuter Versuch anderntags nach den häuslichen Tätigkeiten endet mit dem gleichen Ergebnis. Vorfilter reinigen und eine neue Filterpatrone helfen nicht wirklich und so tausche ich alle 6 Ventile. Hört sich jetzt ruhiger an, die Drehzahl jedoch bleibt bescheiden. Also Antriebsmotor demontieren und zerlegen ist die nächste Option. Es sind die 2 unteren Kohlen, die festhängen, Ausdehnung derselben, so die Aussage meines Lieferanten, und dann geht nix mehr. An dieser Stelle ein Hoch auf Herrn Matz, der mir in diesen Situationen immer prompt mit Rat zur Seite steht.

Das ist der Motor

Einer der zugehörigen Übeltäter

Abschleifen und wieder montieren ist noch vergleichsweise harmlos, der Zusammenbau der Teile ist eine echte Challenge. Die ultrafetten Magneten leisten estaunlichen Widerstand. Nachdem ich die Kohlen mit Kabelbindern zurückgebunden hatte und mitels eines Seilchens die Ankerstangen fixiert hatte, halfen noch 2 Schraubzwingen und das Ganze flutscht zusammen. Die anschließende Montage und der Probelauf gegen 1900 verlaufen erfolgreich und so gönne ich mir das erste Bier des Tages. Ungewöhnlich spät, aber nebenbei renne ich regelmäßig zur Toilette, verdorbene Chalotten am Vorabend putzen mit Gewalt mein Gedärms.

Heute am Samstag steht wieder Einkauf an, ich will Sonntag Mittag nach Osten weit raus und fischen, perspektivisch aber nach Süden, 2 mal Mistral in der kommenden Woche will ich mir hier nicht antun und so bleibt nur die Flucht nach Mitte Sardinien an die Ostküste.

Kurzer Lagebericht und bis die Tage,

Frank

Alarm, Wasser im Schiff

Dazu aber später mehr.
Die Überfahrt nach Sizilien verlief schaukelig, war zu erwarten, wenn ständig 20-30 Knoten Wind durch dieses Seegebiet pfeifen. Zurück in Licata galt es erst einmal das alte Dinghy zu verschenken, Carmello, Eva’s Lieblingsphysio erwies sich als dankbarer Abnehmer und kennt natürlich einen Profi im Kleben von PVC.
Als nächstes galt es dann die Bilgen wieder zu füllen, 3 Wochen reißen schon Lücken auf. Mit Unterstützung von Ruth schnell noch eine italienische Gasflasche in unsere umgefüllt (das reicht für ca. 12 Monate) und das nächste Wetterfenster wird genutzt endlich mal Station auf den ägadischen Inseln im Westen von Sizilien zu machen.

Auszug aus Licata

Der Einfachheit halber segelten wir über Nacht dorthin und kämpften uns durch die Fischfangflotte von Sciacca. Da tummeln sich zig kleine Ruderboote mit Mordslampen und verwirren die Fische. Dazwischen düsen 3 dicke Pötte völlig unkontrolliert hin und her. Das Schauspiel konnte ich gut 2 Stunden lang beobachten, allein das System dahinter habe ich nicht verstanden.
Im ersten Licht lag dann Favignana vor uns und wir versenkten den Anker direkt am Leuchtturm auf der Westseite. Himmlische Ruhe, keine Quallen und nur ein einziger Segler eine halbe Meile entfernt, passt.
Da der Weg von hier aus ins einzige Dörfchen doch arg weit ist, verlegen wir tags darauf an die Südküste. So früh in der Saison sind die Bojenfelder noch nicht bewirtschaftet und so findet sich gleich ein ruhiger Ankerplatz.

Noch nicht wirklich viel los

Orientierungshilfe

Favignana war eine Hochburg des Thunfischfanges

Mehrere Spaziergänge in das quirlige Dörfchen später zieht es uns dann doch nach Sardinien und so ziehen wir eines frühen morgens von dannen und erreichen nach entspannter Überfahrt am folgenden Nachmittag Villasimius um Arjan von der MANDABRASA, sowie Wolfgang, der ultimative BBQ-Meister von der ANTARES zu begrüßen. Die Schatten von unserem Winterlager in Licata reichen überallhin.

Frank, Arjan, Wolfgang

Und das ganze mit Eva


Ein paar Tage später erkunden wir die Südküste und so langsam steigen auch die Temperaturen des Wassers in Richtung badetauglich ohne Herzkasper beim Eintauchen. Auf dem Rückweg Richtung Südostecke, der ständig blasende Mistral vergällt uns den Weg über die Westküste, überredet Eva mich die Angel einzusetzen und prompt beißt endlich auch der erste Fisch der Saison an. 15 kg Yellowfin-Tuna ist erst mal ausreichend Nahrung für die nächsten Wochen.

Vorher

Nachher

Ein Zwischenstop in der Marina wird genutzt um das Biest zu zerlegen, Wäsche zu waschen, einzukaufen und Essen zu gehen. Ein voll genutzter Nachmittag und so segeln wir am nächsten Tag nach Olbia entlang der Ostküste. Schön abseits der Küste (15 sm), fangen den kleinen Bruder des ersten Tuna’s (3 kg) und erreichen am darauffolgenden Tag Golfo d‘ Arranci.

Der kleine Tuni

…und was man daraus machen kann

Hier in dieser großen Bucht pendeln wir von Nord nach Süd, je nach Wind und Schwell und kaum akklimatisiert kommen Marie und Pierre aus Kanada vorbeigeschlunzt. Mit diesen beiden bin ich vor gefühlt 100 Jahren das erste mal über den Atlantik in die Karibik gesegelt. Die Welt ist halt doch sehr klein und so verbringen wir einige Tage zusammen, es gab so einiges zu erzählen. Ihr Weg führt erstmal nach Tunesien, ich bin aber sicher wir werden uns in Sizilien oder Malta wieder treffen. Den Hochsommer verbringen sie in Kanada, die 3 anderen Jahreszeiten in Europa.

Marie und Pierre von meiner ersten Transatlantik 2009-2010

Zwischenzeitlich lernen wir Thorben, Ulli’s (TUTTO BENE) Sohn und seinen Opa Kurt kennen. Sie wollen mit einer betagten Dufour 35 in die Ostsee segeln. Nach 2 Tagen Crashkurs unter Einsatz aller sich auf dem Boot befindlichen Segeln kann ich sie schließlich doch überreden über die Kanäle zu gehen und die Challenge Atlantik auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Der Kenntnisstand, sowie die Ausrüstung an Bord sind sagen wir mal ausbaufähig.

ELLA, eine Dufour 35

Training mit symmetrischem Spi als Gennaker



Ein aufkommender fetter Mistral wird sich bis Nordsardinien auswirken, Ortswechsel ist angesagt. Idiotischerweise segeln wir nur auf die Nordseite der Bucht, begleitet von Belinda und Andrè von der MISTER BEAN 2 (Licata, gleicher Steg, was sonst?) und eine übelst schaukelige Nacht später verlieren wir die Nerven und verkrümeln uns nach Olbia.

Kurz vorm Start der Formel 1, Andrè ist ein Fan von Verstappen

Belinda schaut sich nur den Start an

Der Stadtkai ist natürlich voll belegt und so ankern wir einfach davor. Eine weise Entscheidung, vielleicht nur etwas zu spät. Sei es drum, es gab irgendwann Platz und so konnten wir unsere Einkäufe bequemer verladen. Ulli hat nach wie vor sein Auto dort geparkt und so fuhr ich den ganzen Tag durch Olbia für Wäsche, Enoteca, Lidl, Flughafen mit André wg Leihwagen, nochmal Lidl mit Arjan und so weiter und so fort. Witzigerweise liegen wir direkt neben der Reinke 13 von Ute und Markus (OKEANOS), das heißt natürlich fachsimpeln und gegenseitig besichtigen. Nebenher das ist nun die 3. Reinke für diese Saison, erstaunlich viele, aber vielleicht fallen sie uns auch nur direkt auf.
Der anschließende gemütliche Abend auf MANDABRASA mit 2 holländischen und 2 deutschen Pärchen endete wie schon auf Malta mit Schlagern aus den 70er Jahren, die von den Niederländer äußerst textsicher mitgesungen wurden. Egal ob Roy Black, Drafi Deutscher, Marianne Rosenberg… you name it.

Ziemlich fröhliche Runde


Hart war der André versprochene Transfer am folgenden Morgen (0830!) zum Flughafen wegen seines Leihwagens, strenggenommen hätte ich zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht fahren dürfen. Gegen Mittag geht es endlich aus dem Hafen, längsseits an der Pier ist praktisch, aber auch unglaublich heiß. Wir verbringen in der Cala Cirgolu ein paar Tage mit MISTER BEAN 2

Richtig gutes Restaurant

Vorspeise

und OKEANOS,

begrüßen zum Abschied eine weitere Reinke 12,

Reinkemania 2023 auf Sardinien

segeln Richtung Golfo d’Arranci und treffen dort die INFINITY mit Angela und Jost (mein Räucherlehrer) von vorvergangenem Winter, die mittlerweile wieder aus der Karibik zurückgekommen sind.

Wieder glücklich vereint

Sie schätzen eher die Vielfalt im Mittelmeer und anhand ihrer Erzählungen von den karibischen Inseln können wir das gut nachvollziehen. Egal, es ist eine Freude sie wieder zu sehen und der kommende Winter in, tata Licata!, wird sicher nicht langweilig werden.
So langsam rückt der Flug von Eva nach D in den Focus, diesen Freitag (es ist Dienstag) isse wech für 4 Wochen und Frank allein zu Haus.
Und was war nochmal mit dem Wasser im Schiff?
Eines schönen Tages schwappen so 2 cm in der Bilge der Pantry, süß zwar, aber trotzdem unschön. Der Schwimmerschalter unseres Grauwassertankes, den ich zu Beginn unserer Reise quasi jährlich wechseln musste war so schwer durch den angesammelten Schmodder, dass er nicht mehr aufschwimmen konnte (schon lange keine Kontaktlinsen mehr darin gerettet) und so tröpfelt es sonstwohin und wird eben nicht automatisch abgepumpt. Diese Sauerei aufzuwischen, auch unter der Duschtasse stand natürlich Wasser, kostet mich einen ganzen Tag und Halsweh wegen der Flucherei im Bad, Stichwort Duschtasse. Da wird zukünftig sensibelst registriert werden müssen ob der Schlingel noch von sich aus pumpt oder eben nicht.
So langsam wird es auch kuschelig hier, Kühlschrank und Gefriertruhe sind im Dauerstress, meine Kopfdichtung steht kurz vorm Platzen und der Sprung ins Wasser erinnert eher an einen Warmbadetag im Hallenbad als an eine Erfrischung.
Vorgestern konnten wir einen weiteren Meilenstein feiern: 2200 Tage an Bord, wow, ich, Eva hätte es nie für möglich gehalten. Wir sind nun über 6 Jahre im Mittelmeer unterwegs und die Zahl der Begegnungen mit lieben Menschen ist unglaublich und macht unser Leben so reich und interessant, da erträgt Frau auch schon mal 40 Grad im Boot.

Life is hard and rich

Frank

Scheidung

Wer, was? Wir, allerdings nicht voneinander, sondern von Ankie, unserem Tender aus St. Petersburg. Russisch ist zur Zeit ja auch nicht en vogue.

Da isses

Schon etwas wuchtiger, jedoch 15 cm kürzer

Er wurde immer inkontinenter und verlangte täglich nach frischer Luft, da haben wir kurzerhand nach Ersatz gesucht und wurden in der San Pawls Bay fündig. Wieder ein Rib, diesmal aber mit Aluboden und extra dicken Schläuchen. Ziemlich knuffiges Kerlchen und wir hoffen, dass die Zicke sich an diesen Flummi gewöhnt.


Wir mussten uns nur 3 Tage gedulden und schon war Knuffi, auf diesen Namen wurde das neue Dinghi getauft, schon geliefert. Unglaublich, wie schnell! Es hätte sogar einen nagelneuen 2 – Takter 9,8 PS für unglaubliche 1.999€ gegeben, aber wir wollten das Budget nicht überstrapazieren. Um 16 Uhr ging es mit Ankie an Land und kurze Zeit später zogen wir Knuffi hinter uns her zu Eira. Hamm, nun haben wir 2 Dinghis an Bord. Ankie seit heute gefaltet und verpackt unter dem Mast und Knuffi hängt an den Davids achtern unter den Solarpaneelen. Dafür war jedoch ein weiterer Gang zum Ship Shandler notwendig, da die Bordmittel nicht genügten um das Beiboot sicher und fest zu verzurren. Schlappe 260€ später wird das Feintuning vorgenommenen und den ersten Sturm haben wir so schon überstanden.

Neuer Parkplatz

Für eine richtige Probefahrt mit Knuffi war kaum Zeit, denn abends ging es erneut ins Ill- Merill zum Abschiedsessen von Ilona und Andreas von der Yoko. Leider für längere Zeit, denn sie werden den nächsten Winter nicht in Licata verbringen. Wehmütig lassen wir sie ziehen und freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen irgendwann und irgendwo.

Man beachte das Monstrum auf dem Teller von Arjan, vorne links

Das Wetter aber wird hier täglich schlechter, ein Tief wird von dem nächsten noch tieferen Tief gejagt. Absoluter Tiefststand auf der nach unten offenen Wetterskala, wir flüchten in die Creek Marina. Gleich mittags kommt auch schon der Tankwagen und nun liegt EIRA um 993 Liter grünen, biofreien (!) Diesel schwerer, satt grunzend im trüben Hafenwasser. Fast täglich waschen ein paar armselige Tropfen Regen den Saharasand (Ghadafi’s revenge) aus der Luft und wir erröten mehr und mehr. Eine unglaubliche Schweinerei und wir wollen hier schnellstmöglich eine Minilücke zwischen den bereits erwähnten Tiefs nutzen und machen uns, Achtung spoiler!, aus dem Staub.
Donnerstag peilen wir zur Abwechslung mal Licata an, Wäsche waschen, Wein (ups) kaufen und abwarten, ob das Jahr ein Tiefpunkt unserer Seglerkarriere wird oder vielleicht zur Abwechslung doch mal die Sonne scheint. Da wollen wir ausharren und dann endlich mal über die ägadischen Inseln nach Sardinien segeln. Da es regnet und donnert wird mal wieder ein Apfelkuchen gebacken, denn nachmittags geht es zur Black Clover, die auch in der Marina liegen. Amelie, die 5 jährige Tochter, Esther und Peter liegen mit dem neuerworbenen Cat nur ein paar Schritte entfernt. So geht es mit Kuchen und Schlagsahne zu einer geselligen Runde. Während die beiden Männer schnell zum Fachsimpeln und Begutachtung der Technik übergehen, spiele ich mit Amelie. Sie hat einen unglaublichen Fundus an Plüschtieren, Büchern, Muscheln und Spielen. Nachdem wir alle Meeresbewohner in ihren Büchern gesehen haben, werden einige Saurier und Drachen verarztet. Den Nachmittag beschließen wir mit einem Mikado Spiel. Ich weiß nicht, wie lange ich das schon nicht mehr gespielt habe! Einfach klasse. Amelie hat natürlich gewonnen. Wir gehen zurück zu Eira und beschließen den Tag mit einem Champignon Risotto.

Die stolze Amelie

So ihr Lieben, nun seid ihr auf dem neuesten Stand. Liebe Grüße an alle Mütter, insbesondere an Lydia, Frank’s Mama. Ciao e a dopo, versprochen

Saisonstart auf Malta

Bis dorthin gab es allerdings noch eine Menge zu erledigen. Nicht nur auf EIRA, das wäre einfach, aber je näher der potentielle Abfahrtstermin rückt, umso nervöser werden unsere Nachbarlieger und denen fällt jeden Tag etwas neues ein was unbedingt noch zu machen ist, der Winter ist ja ach so kurz. Als da wären: Ölfilter und Gasschlauch erneuern, sowie Fettpresse für Wellenlager füllen bei Frank, Gasschläuche erneuern für Norbert, Diverse verhunzte Schrauben ausbohren und eine Halterung des Autopilotmotors aus Aluminium von Hand ausfräsen (1 Tag lang) für Wolfgang.

Arbeitsplatz

Fast schon fertig

Anode am Propeller wechseln und die erst mal vom Grund wieder heraufholen bei Robin und viele, viele andere Kleinigkeiten mehr. Unter anderem den Impeller von Zicke erneuern, der war komplett hinüber.

Auseinander bekomme ich alles

Beim Zusammenbau gab es tatkräftige Hilfe

Final habe ich dann noch unseren Propeller nebst kompletten Rumpf gereinigt (im Hafen, würg!).

Reinigungsequipment für hartnäckige Mupfeln

Eva hat natürlich die Vorräte aufgefüllt, sodass EIRA wieder richtig satt im Wasser liegt. Ich, Eva, proviantiere gerne in Licata denn die Wege sind kurz und einiges, wie Wein und Frizzante, wird direkt ans Boot geliefert. Ob Gemüse, Obst, Trockenobst und Mandeln gibt es kaum irgendwo besser, köstlicher, preiswerter als in Licata. So schleppe ich Mal um Mal diese Köstlichkeiten an Bord. Ob Antipasti oder Kaffeebohnen, Toilettenpapier oder Küchenrollen, alles gebunkert. Was ich vor dem Lossegeln kaufe, muss ich im heißen Sommer nicht schleppen, Frau wird schließlich nicht jünger. Ja, und dann heißt es Abschied nehmen, von lieben Freunden, dem Marina Office und von Licara selbst. Ein letztes Essen im Del Duca mit Janet, Heinz, Ilona und Andreas, ein letztes Eis im Dolce Vita und dann fällt die Mooring ins Wasser, Leinen los und auf geht’s.

Am Tag der Arbeit brechen wir zeitig auf und segeln nach Malta in die Mellieha Bay, hauen den Anker raus und bleiben dort erst mal 3 Tage, der Wind blies doch recht heftig.

EIRA unter Vollzeug, gegen Ende mit 7 Knoten

Gestresster Skipper bei der Überfahrt

Witzigerweise stand eine 1 m hohe Grunddünung entgegengesetzt zur Windrichtung in die Bucht, hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm.

Erster Ankerplatz

War auszuhalten und bringt gleich mal die richtigen Schwingungen. Donnerstags haben wir in die nördliche Bucht von Valetta verholt und liegen nun an privaten Moorings vorne und hinten festgetüdelt und das Ganze für lau, nicht schlecht und mitten im Geschehen.

Mooringplatz neben YOKO

Wunderschöne Marineshops und Angelläden hier für die Buben, Schuhgeschäfte und Waschsalons für die Mädels, Restaurants, Lidl, Decathlon, Intersport und so weiter und so fort. Freitag Abend gab es Hasen in einem kuscheligen maltesischen Restaurant, Ill-Merill, mit Ilona und Andreas und heute am Sonntag wird es für uns, die Crews der YOKO und EIRA erneut maltesische Küche geben, erweitert um Elena und Arjan, gute Bekannte aus unserer Zeit in Licata.

Vorglühen zur happy hour

Montag wollen wir mal zu einem Händler für Dinghis (Highfield), denn obwohl ich unseren kleinen Tender wiederholt geklebt hatte, erweist er sich nach wie vor als leicht inkontinent. So praktisch die Falterei der Gummiwutz ist, so wenig widerstandsfähig ist das verwendete Material in der Sonne des Mittelmeeres. Mal sehen, ich neige zu einem Rib mit Aluboden, das könnten wir über Nacht an unseren Davids aufholen und müssen es nicht ständig auf das Vorschiff legen, zudem wäre es ca. 10 kg leichter, auch kein schlechtes Argument.

Wie immer ist alles auf der Insel mit öffentlichen Bussen erreichbar (2 € pro Kopf für 2 Stunden) egal wohin und wie oft umgestiegen wird. Natürlich gibt es auch Tages,-Wochen,- Monatspässe. Kein schlechtes Konzept und gut frequentiert. Es gibt hier nur eine Gesellschaft und die Insel ist verhältnismäßig klein, andererseits kann man alles skalieren, das eigentliche Problem ist eher man muss es auch wollen. Fortschrittlich sind die Malteser und umweltbewusst. Im Gegensatz zu Sizilien ist hier alles propper und sauber. Seit diesem Jahr gibt es ein Mehrwegsystem für Flaschen, gestern bei Lidl war der Andrang an den Rücknahmestationen entsprechend lang.

Abendstimmung in Valetta

Ciao amici

Eva und Frank

Sardinien-Sizilien

Wo fange ich an? Schwierig, wenn bereits so viel Zeit vergangen ist.
Die Zeit auf Sardinien war entspannt, jede Menge Yachties die ich kannte, ein paar neue kennengelernt und vor Anker auf Eva wartend. Easy way of life. Eva bucht derweil ihren Rückflug zu EIRA via Olbia, so mache ich mich auf und lege längsseits an der Stadtpier an. 8€ pro Tag, zwar ohne Strom und Wasser, jedoch mitten in der Stadt und für die Jahreszeit ein unschlagbarer Preis. Schnell noch ein wenig einkaufen (bollerheiß!) und geschwind mit dem Bus zum Flughafen, zurück dann mit dem Taxi, die Wege sind hier kurz. Am nächsten Morgen gleich raus aus der Stadt zurück zum Golfo di Aranci (10 sm) und wieder an den Anker. Es gab viel zu erzählen und noch mehr zu ruhen. Paloma Grande kommt von Zeit zu Zeit und geht an EIRA längsseits, so sind die Treffen easy zu bewerkstelligen, einfach übersteigen. Der neue Wärmetauscher, auf den letzten Drücker bestellt und per Luftfracht (Eva) geliefert, wird montiert und siehe da, das Kühlwasser bleibt wieder wo es soll und wird nicht mehr durch den Auspuff geblasen, cool. Wieder eine Baustelle weniger. Fast noch besser ist jedoch unsere neue Kommunikationshilfe, ein Bluetooth Headset, um den Kopf geschnallt können wir uns jetzt beim Ankermanöver in alle Ruhe unterhalten, keine Handzeichen mehr, erst recht kein Geschrei über’s Deck, einfach normal unterhalten.

Sena SPH10 unbedingt empfehlenswert

Es schaltet sich von selbst ein wenn man/frau spricht und es bleiben beide Hände frei. Ein echt wertvoller Tip von Claudi und Ulli, die es mir vorgeführt haben und die Begehr war geweckt. Der Härtetest kam ein wenig später, als es darum ging bei Hans die Windmesseinrichtung auf dem Masttop nicht nur zu prüfen, sondern im Endeffekt nebst Geber und Kabel zu tauschen. 3 ganze Tage im Mast vor Anker, da war es ein Segen kommunizieren zu können und gleichzeitig gemeinsam zu arbeiten, Kabel einziehen eben, immer ein heikles Manöver. Zu guter letzt noch eben schnell (haha!) den Decksstrahler erneuern und kurz vor einem Gewitter war ich dann endlich fertig, die letzten Handgriffe waagerecht, der Wind blies heftig. Im nächsten Leben werde ich Pfadfinder, der guten Taten zuliebe.
Irgendwann war leider auch diese Zeit vorbei, in der wir ab und an der Perspektive wegen die Bucht gewechselt haben, viel mehr sollte es nicht sein und der Rückflug von Eva steht wieder an. Sie hat freiwillig die Aufgabe übernommen die finalen Arbeiten der Handwerker zu koordinieren, unsere neue Wohnung soll ja doch mal fertig werden. Also zurück nach Olbia, noch einmal essen gehen und am nächsten Morgen Abschied. Dankenswerterweise leiht uns Uli, diesmal der von T(utto) B(ene), sein Auto und ich ziehe wieder von dannen. So langsam mache ich mir Gedanken wie ich nach Licata komme und verlege peu à peu nach Süden. Die Auswahl eines geeigneten Wetterfensters für 3-4 Tage erweist sich als schwierig. Wie immer zu wenig Wind, zu viel davon, aus der falschen Richtung, zu hohe Wellen und was weiß ich. Mein altes Problem, ich fahre nicht gerne los. Nach einem Zwischenstop im Hafen Santa Maria Navarrese (grob so in der Mitte der Ostküste Sardiniens) lege ich ab und mache mich auf den Weg. Rund 300 sm liegen vor mir und sobald ich den Hafen verlassen habe fällt die Anspannung ab und tiefe Zufriedenheit stellt sich ein. Bin halt eher so ein Langstreckenfan. Kurz vor Sizilien kreuzt ein letzter Bonito meinen Weg, echt Pech für ihn oder sie, Saisonabschlussfisch.


Wurde nicht mehr in die Wertung aufgenommen, wollte nicht mit den Fingern in offenen Wunden puhlen.

Nach 2,5 Tagen werde ich im Hafen von Wolfgang empfangen, der Schlingel hat den Hafenfunk abgehört und ein frühes Bier (14:00 Uhr) beendet den Törn. Nun heisst es Fisch vernichten auf Teufel komm raus, Boot aufräumen und langsam einmotten. Öle werden gewechselt (Motor, Getriebe, Hochdruckpumpe Osmose) und beim Ölwechsel der Einspritzpumpe finde ich die Ursache des Schepperns bei bestimmten Drehzahlen. Es ist die Sicherung eines der vorderen Motorlager, welche lose war. Potzblitz, da hätte ich noch lange suchen können und ich hatte bis dorthin schon lange gesucht.


Das war der Schlingel

Zur Erläuterung der Funktion das gleiche auf Steuerbord

Zurück in Deutschland können endlich die Möbel eingeräumt, Lampen und Bilderschienen bestellt werden. Es soll langsam wohnlich werden. Mitte November fahren wir mit dem Auto nach Licata (Fähre Livorno-Palermo), vollgeladen mit eigenen und fremden Mitbringseln und starten das Projekt Geburtstag. 50 (leider nicht ich), 60 (ich, schnüff), 65 (Gästin auf Paloma Grande) und 70 (Wolfgang). Das Fahrzeug erleichtert die Logistik und so kann bei bestem Wetter gegrillt werden, getrunken glaube ich auch, ein schönes Fest.


Die vier Geburtstagskinder

Torte für Wolfgang und meiner einer

Mitte Dezember wird das Auto wieder beladen (EIRA springt förmlich aus dem Wasser, zuviel an Bord, was wir nie benutzt haben), Zwischenstop in Starnberg bei Regina und Sampo und kaum zu Hause werden unglaublich viele Löcher gebohrt, Lampen und Bilderschienen aufgehängt, Bauhaus täglich angefahren und langsam wird es wirklich wohnlich. Weihnachten geht vorbei, Sylvester zufällig eine Woche später, und im Januar war ich noch für ein paar Tage mit Stefan auf seinem Schiff in Gravelines (bei Calais). Diesmal keine Überführung (und kein Corona), dafür einen Tag segeln, der Tide wegen von 8:00 bis 20:00. Natürlich keine adäquate Klamotte dabei und arschkalt bei ca. 15 kts am Wind hin und her gesegelt. Immerhin mit Sonnenschein, aber wie gesagt saukalt. Der Gedanke an den Ofen abends im Hafen hat uns gerettet. Die LOMA ist mittlerweile umgebaut, eingerichtet, ausgerüstet, schöne Koopmanns aus Alu mit Pilothouse. Der Segelmacher kommt anderntags, bringt eins vorbei (neue Genua) und nimmt 2 mit (Groß und Besan), Gott sei Dank kein Segeln mehr möglich, fahren wir also wieder heim. Von den 200 Blitzern in Belgien gibt es nur ein Bild von uns, ganz guter Schnitt.
Am 6. Februar fliegen wir wieder nach Sizilien und sitzen heute bei 40-50 kts Wind (immerhin ca. 10 Beaufort) und Regen im Schiff, super Idee! Frisch ist es zudem, der Ofen läuft rund um die Uhr (das hatten wir noch nie) und so finde ich endlich die Zeit das letzte halbe Jahr Revue passieren zu lassen. Eindeutig zu lang, da bleibt die Hälfte auf der Strecke. Das muss besser werden.

Alles festgetüdelt bevor es wegfliegt.

Mittlerweile ist Eva auch älter geworden, gebührend zelebriert im Cafe Angelo.

Wolfgang, Birgit, Nils, Claudi, Uli und die Crew

Wer issen das?

Zuguterletzt noch eine Erfolgsmeldung. Stefan brachte mich auf die Idee, die Daten des AIS per Wifi an das Tablet zu senden, um im Navigationsprogramm die umherschwimmenden Schiffe darzustellen. Hört sich nicht nur clever, sondern auch recht simpel an. Nun, was ist schon simpel und so dauert der Einbau nebst Verkabelung 1 Tag, die Konfigurationen in AIS und Wifi jedoch 2 Tage. Dieser Elektronikshit wird nie mehr meine Welt, einfach zu spät geboren.

Datt kleene Dingens hat mir fast die Nerven geraubt, funzt jetzt aber, kurz bevor es über Bord ging!

Ciao for now, Frank

Sardinien

Nachdem wir relativ ereignislos über Taormina durch die Straße von Messina sind (langweilig wie immer) haben wir ausgangs kurzerhand vorm Strand geankert. Alleine auf weiter Flur, keine Partyboote, keine Disco, niente.

Anderntags verlegen wir nach Tindari, am Rande eines Naturschutzgebietes gelegen, herrlich idyllisch. Donnerstags himmlisch, Freitags ok, Samstags fallen die pensionierten Italiener mit ihren ehemals teuren Motoryachten ein und zerlegen die Stimmung nachhaltig. Müssen wir nicht haben und segeln nach Termini Imerese, kein idyllischer Ankerplatz, aber schwellfrei und sicher. Im Eurospin ums Eck werden binnen zweier Tage die Biervorräte (Best Bräu von Oettinger ist deren und meine Hausmarke) und selbstredend auch Lebensmittel aufgestockt. Nach einem weiteren Stop östlich in der Bucht von Palermo erreichen wir San Vito lo Capo, Ausgangspunkt für die Überfahrt nach Sardinien. Kurzes Hallo mit der Crew von PALOMA GRANDE, die wir seit einem Seminar von Trans Ocean in 2017 kennengelernt haben, Wäsche waschen, einkaufen und Abschiedsessen mit Claudia und Gorden von der GLEC im Ristorantino Al Faro und dann erleben wir eine Scheiß Nacht mit gut 20 Knoten Wind und locker 1-2 Meter Welle, die erst gegen 2 Uhr abebbt. Grad seläds (saarländisch für Arsch geleckt) legen wir dann allerdings erst gegen 8 Uhr ab Richtung Sardinien. Gutes Segeln raumschots mit 15 Knoten und endlich der erste Biss.

Ein Mahi Mahi

6 kg Fisch, erlösend, da die Winterlieger in Licata eine Challenge kreiert haben und ich arg im Verzug war. Nun liegen wir im Mittelfeld und können durch die Nacht segeln. Mitten in dieser streikt der Wind und später auch der Autopilot, das heißt Handarbeit für die 2. Wache nach 1 Uhr und das war meine. Wie geil ist das denn?

Das Problem konnte ich während der Fahrt nicht lösen und so durfte ich fast durchgehend steuern. Kurz vor Sardinien der 2. Biss

Tuna mit 15 kg
Fettes Teil

An dem leicht angestrengten Gesichtausdruck erkennbar, das Fischli war schwer wie Sau. Angelverbot meiner Eignerin war sofort ausgesprochen, dafür bin ich jetzt aber ganz vorne an der Spitze der Challenge. Ankunft war dann gegen 1730 in Villasimius und nach Verarbeitung des Fangs, Abendessen und Duschen sind wir mit Pupillenstillstand ins Bett gefallen.

Nach einer ereignislosen Weile segeln wir westwärts Richtung Teulada, vertreiben uns die Zeit und irgendwann telefoniert Eva mit ihrer Mutter und das Gespräch war erschreckend. Kurzerhand wird ein Flug gebucht und wir brechen auf nach Cagliari von wo Eva nach Deutschland fliegt. Ich bleibe noch einen Tag, ersetze die Chinesenpneus am Dinghy durch schlauchlose, ausgeschäumte Chinesenpneus aus dem örtlichen Baumarkt und hoffe, das die Dinger länger halten. Zurück nach Vilasimius warte ich auf günstigen Wind, der mich nach Olbia bläst. Dieser Plan hat gut funktioniert und so hangele ich mich entlang der 1000 m Tiefenlinie nach Norden. Schon am Vormittag der erste Biss und ratzfatz war die Rolle schon fast zu Ende, bevor ich die Fahrt aus dem Schiff nehmen konnte. Muss ein Monster gewesen sein und als ich die Bremse langsam zudrehte, riss das gesamte Vorfach nebst Gummitintenfisch ab. Dumm gelaufen, aber davon habe ich noch eine ganze Tüte voll. Der nächste Biss kam kurz vor der Dunkelheit, hatte das Ding schon an der Gaff und bevor ich ihm eine Schlaufe um den Schwanz legen konnte war er wieder weg. Immerhin war der Köder noch dran, aber das war nicht wirklich mein Tag.

Also schaukele ich weiter durch die Nacht, ereignislos zwar, jedoch hat das auch seine guten Seiten. Im ersten Büchsenlicht so gegen 05:30 rattert die Rolle wieder wie verrückt. Diesmal war ich schneller, direkt in den Wind angeluvt und abwarten. Wieder kurz vor Ende der aufgespulten 1000 m Angelleine gibt der Knecht endlich Ruhe und so fange ich an und drille was das Zeug hält. Mal holt sich der Fisch ein paar hundert Meter mal hole ich mir die wieder zurück. Nach 2 Stunden hatte ich den Fisch endlich am Boot und diesmal besser vorbereitet als am Vortag gelingt es mir den Fang zu retten. Immerhin eine weitere halbe Stunde Kampf, aber dieses Mal habe ich gewonnen. Und so ganz nebenbei, nun führe ich die Challenge.

Gegen 14:00 fällt dann endlich im Golfo Aranci der Anker, gleich neben INFINITY und TB, alte Bekannte aus Licata.

Ich natürlich stolz wie Oscar, der Rest rundherum ungläubig staunend. Sofort kommt die Einladung von Angela und Jost gemeinsam mit Uli zum Mittagessen. Was gibt es, Thunfisch in allen Variationen, gefangen und aufgepasst, geräuchert.

Am Nachmittag wird mein Fang zerlegt und danach falle ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf. Da ich Robert vom Nachbarschiff eine gute Portion vom ersten Thun geschenkt hatte, bekomme ich postwendend am daraufolgenden Tag eine Schüssel ihres Abendessens. Ganz lecker und keine Arbeit, cool. Ich weise ihn ein in die tieferen Sphären des Angelns in der Hoffnung all meine Lehrlinge fangen nicht mein Revier leer. Schon tags darauf kommt die PALOMA GRANDE längseits an EIRA und Uli grillt: Thunfisch! Kartoffelgratin, Kasspatzen, Salat und eine große Portion Fisch, muss ja weg das Zeug. So langsam kommt wieder Luft in die Gefrierbox, nichtsdestotrotz ist sie ununterbrochen am Rödeln, war halt viel Zeug auf einmal. Eva kommt am 27.07. zurück, direkt nach Olbia, praktisch. Kann ich mir gemütlich noch ein paar Tage die K.i.c.e. schaukeln und dann ist wieder Schluss mit lustig, auch gut.

Der alte Mann und das Meer

Knappe Sachlage wie immer, ich werde Euch auf dem Laufenden halten

Ciao Frank